Dervio liegt am Ostufer des Comer Sees, zu Füßen des Monte Legnoncino, auf einer weiten grünen Halbinsel, die von dem aus dem gleichnamigen Tal kommenden Wildbach Varrone durchflossen wird.
Die ersten Siedlungen gehen vermutlich auf die Bronzezeit zurück, als nomadische Völker keltischen Ursprungs hier Dörfer (Gau) gründeten. Den Kelten wird auch die Herkunft des Namens Dervio zugeschrieben. Er soll sich von der walisisch-bretonischen Wurzel „Derw“ bzw. der gallischen Wurzel „Dervo“ ableiten, die beide „Eiche“ bedeuten. Der Name lehnte sich vermutlich an einen heiligen Wald in der Gegend an. Bestätigt wird diese Hypothese durch lateinische Inschriften, die den Matronen Dervonne, lokalen Gottheiten, gewidmet sind.
Später wurde das Gebiet von den Römern erobert, die aufgrund der strategischen Lage an der Verbindungsstraße zwischen dem Veltlin und Mailand im 4. Jh. n. Chr. begannen, verschiedene Türme und Befestigungen zu errichten, darunter auch das Castelvedro im Weiler Mai. Die Burg war Teil des antiken Verteidigungssystems gegen die Barbaren und ist heute zu Ruinen verfallen.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches wurde das Gebiet von den Goten, den Langobarden und schließlich den Franken erobert. In der Zwischenzeit wurden die römischen Landbezirke mit der Verbreitung des Christentums in Pfarrsprengel verwandelt. Im frühen 11. Jh. geriet Dervio, das sich auf die Seite des Erzbischofs von Mailand gestellt hatte, mit den Tre Pievi Lariane (Sorico, Gravedona und Dongo) in Konflikt, die für den Herzog von Franken kämpften. Später war die Stadt auch Schauplatz des zehnjährigen Krieges zwischen Mailand und Como.
Die Erzbischöfe von Mailand wurden von den Familien Visconti und Sforza abgelöst, bis die spanische Herrschaft den Beginn eines Niedergangs markierte, der von Plünderungen und Seuchen geprägt war. Erst im 19. Jh. kam es unter österreichischer Herrschaft dank der florierenden Eisenindustrie und der Bergwerksbetriebe im Valvarrone zu einem Aufschwung. Mit der Gründung von mechanischen Industrien, Papierfabriken und Werften sowie dem Bau wichtiger Verkehrswege erreichte die Stadt ihren wirtschaftlichen Höhepunkt.
Heute ist Dervio einer der bedeutendsten Fremdenverkehrsorte im Alto Lario. Dank seiner stets luftigen Lage auf einer Landzunge im Comer See gilt es als Segelparadies. Das Städtchen ist ein ideales Ziel für Wassersportler und Outdoor-Fans: Die zahlreichen Panoramawege in den umliegenden Bergen können zu Fuß und teilweise auch mit dem Mountainbike erkundet werden. Am bekanntesten ist sicherlich der „Sentiero del Viandante“, der sich auf halber Höhe am östlichen Ufer des Sees entlang schlängelt. Aber auch für Erholungssuchende bietet Dervio mit seinen zahlreichen Stränden, Grünflächen und der ausgedehnten, gepflegten Seepromenade alles, was das Urlaubsherz begehrt.
Aus künstlerischer Sicht sind die Kirchen der Gemeinde von großem Interesse, insbesondere die Kirche SS. Quirico e Giulitta, die zu den ältesten Sakralbauten der Gegend zählt, sowie die Pfarrkirche SS. Pietro e Paolo. Ebenfalls sehenswert ist die Kirche des Heiligen Thomas von Canterbury in Corenno Plinio aus dem späten 12. Jh. Auf einem Felsen oberhalb von Dervio thront die Burg von Orezia, die erstmals 1039/40 erwähnt wurde. Von ihr ist ein gut erhaltener Bergfried übrig geblieben.
Eine besondere Erwähnung verdient schließlich das malerische Corenno Plinio. Das von der Burg der Grafen Andreani dominierte Dorf besteht aus einer Reihe alter Häuser und enger Gassen, die steil zum See hinunter führen und den Ort besonders reizvoll machen.