Oberer Comer See


Wenn man vom Süden kommend die bekannten Orte in der Seemitte hinter sich lässt, betritt man buchstäblich eine andere Welt. Die Reihe der eleganten Villen, luxuriösen Gärten und Luxushotels ist beendet. Stattdessen betritt man ein faszinierendes Gebiet mit einem unberührten, einfachen Akzent, das seine Besucher regelrecht verzaubert: Fischerdörfer, die sich im klaren Wasser des Sees spiegeln und Wohnhäuser, die inmitten der Vegetation der Berge hervorblinzeln. Es ist eine ursprüngliche, unverfälschte Welt, weit weg vom Image-Tourismus, die jedoch junge Menschen auf der Suche nach Vergnügen und Sport sowie Kunst- und Bergbegeisterte mit viel Wärme und Freundlichkeit empfängt.

Der Nordteil des Sees ist nicht ganz so in die Berge eingelassen, obwohl diese auch hier eine den gesamten Comer See schmückende Krone bilden (die sich rund um den Comer See erstreckenden Berge verbreitern sich hier in Form eines Amphitheaters und schenken dem Alto Lario so einen tiefen, bis ins Veltlin- und Valchiavenna-Tal reichenden Durchzug). Bevor sie sich zu den hohen Gipfeln hin erheben, formen die Berghänge einen flachen Streifen am Wasserrand, an dem ruhige Strände und grüne Wiesen entstanden sind, an denen Camper Platz für Zelte und Wohnwagen finden. Der häufig hier in den Bergen pfeifende Wind begünstigt den Wassersport, insbesondere das Segeln und Surfen. Wo der See aufhört treffen der Fluss Mera und der Berg Berlinghera aufeinander und kreieren eine Landschaft von einzigartiger Schönheit am Rande des Naturschutzgebiets Pian di Spagna, das die Grenze zum Veltlin- und Valchiavenna-Tal zeichnet. Den Römern blieb nichts Anderes übrig, als hier über die Via Regia zu fahren und die strategische Bedeutung des Gebiets als Nord-/Südverbindung der Alpen festzustellen. Der "Alto Lario" ist das Ergebnis einer auf das Quartärzeitalter zurückgehenden und durch den Abduano-Gletscher veranlassten Transformation. Nachdem die enorme Gletscherzunge sich in das Gelände gegraben und dieses geformt hat, hat sie in diesem Gebiet ein tiefes Seebett und eine Folge an Bergrücken, Wipfeln und Felsrippen hinterlassen, die heute mit Weinbergen, Kastanienbäumen, Buchen und tausend anderen Baumarten bewachsen und von fröhlichen, menschgemachten Dörfern durchwachsen ist.

Colico befindet sich an der äußersten Nordspitze der Ostküste und ist seit der Antike ein bedeutender Ort, der sich in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet Pian di Spagna entwickelt hat, wo die Wässer des Sees mit denen des Flusses Mera zusammenfließen. Es folgen die Orte Sorico und Gera Lario mit ihren einfachen, charakteristischen Altstädten aus Stein und einigen schönen, die Häuser verzierenden Murales, die jedoch in Anbetracht der Imposanz des Monte Legnone, der sich ihnen gegenüber mit seiner spektakulären Größe erhebt, regelrecht verschüchtert scheinen. Von Oben beherrschen die Orte Montemezzo, Trezzone und Vercana den See und bieten Besuchern einen außergewöhnlich schönen Ausblick. Dann der Ort Domaso mit seinem ruhigen Hafen, der sich im See spiegelt sowie Gravedona ed Uniti, eingebettet in eine breite Bucht zwischen See und Bergen. Auf halber Höhe schielen die Orte Peglio, Dosso del Liro und Livo mit ihren hohen Kirchtürmen vom Berg herunter. Zuletzt Dongo, in dessen Rücken in den Gebirgsfalten die Orte Garzeno und Stazzona liegen.