Musso liegt am Westufer des Comer Sees in einer kleinen Bucht am Fuße des gleichnamigen „Sasso“ an der römischen Straße Via Regina. Das Dorf hat antike Wurzeln und besteht aus alten Häuserzeilen, die sich vom See bis zu den Hängen des Monte Bregagno erstrecken. Bereits in römischer Zeit wurde der Felsvorsprung des Sasso di Musso wegen des dortigen Marmorvorkommens ausgebeutet. Römische Überreste, die 1906 an der Einmündung des Saumpfades nach Genico entdeckt wurden, zeugen von der historischen und wirtschaftlichen Bedeutung des Dorfes. Dabei handelte es sich um eine Tafel aus dem örtlichen Marmor, die der Göttin Diana gewidmet ist, sowie Spuren eines Sacellums. Bewohnt wurde das Dorf wahrscheinlich vorwiegend von Steinbrucharbeitern. Der wertvolle Musso-Marmor wurde in späteren Jahrhunderten für den Bau von Monumenten und Kirchen verwendet, darunter der Dom zu Como, die Säulen von San Lorenzo in Mailand und die Kirche Santa Maria del Tiglio in Gravedona ed Uniti. Heute sind alle Steinbrüche stillgelegt.
Der steil zum See abfallende Sasso di Musso diente seit der Antike der strategischen Kontrolle des gesamten Gebiets. Er wurde wahrscheinlich schon im Hochmittelalter befestigt, obwohl die frühesten Dokumente über eine Burg, die damals Giacomo Malacrida gehörte, aus dem Jahr 1335 stammen. 1508 trat die Familie Malacrida die Stadt an den Marschall Gian Giacomo Trivulzio ab, der eine Münzstätte und einen befestigten Hafen am See errichtete. Im Jahr 1523 wurde die Festung vom Condottiere Gian Giacomo Medici, genannt „Il Medeghino“, erobert, der sie an drei strategischen Punkten weiter befestigte: Auf dem höchsten Teil des Berges baute er die „Tagliata“, den in den Felsen gehauenen künstlichen Graben, und die Gipfelburg; im mittleren Teil errichtete er die zentrale Zitadelle neben der Kirche Sant'Eufemia, die damals zur Burg gehörte; zum See hin erstellte er einen Wachturm zum Schutz der Mole, von der aus er seine Raubzüge unternahm. Nachdem Medeghino die Grafschaft der Tre Pievi in Besitz genommen hatte, beherrschte er von hier aus den gesamten Comer See und das umliegende Gebiet. Im Jahr 1532 wurde er jedoch von den verbündeten Armeen der Drei Grauen Bünde und Francesco II. Sforza besiegt. Dabei wurde ein Großteil der mächtigen Festungsanlage zerstört, von der heute nur noch wenige Ruinen erhalten sind. Das Lehen Musso fiel an die Familie Malacrida zurück, die es 1617 an die Markgrafen Bossi abtrat.
Die Gemeinde Musso ist als einer der Orte in Erinnerung geblieben, die in die Ereignisse um die Flucht Mussolinis verwickelt waren. Am 27. April 1945 hielten Partisanen auf dem Straßenabschnitt der Via Regina, die nach Dongo führte, eine deutsche Kolonne auf. In dieser befand sich auch Mussolini, der später bei der Inspektion auf dem Platz von Dongo entdeckt und festgenommen wurde.
Heute ist das Dorf von großer Ruhe umgeben und somit ein idealer Ort für alle, die einen erholsamen Urlaub in der freien Natur suchen. Besonders reizvoll sind die Seepromenade mit ihren charakteristischen Arkadengängen und die Mole mit der Kirche San Biagio im Hintergrund, die 1387 als Pfarrkirche errichtet und im 16. Jh. vollständig umgebaut wurde. Auf dem Sasso di Musso thront in Panoramalage die Kirche Sant'Eufemia, das Gotteshaus der alten Burg. Sie überstand zwar deren Zerstörung, wurde im 17. Jh. jedoch umfassend renoviert. Auf den steilen Felsen unterhalb der Kirche liegt zwischen den Ruinen der Medeghino-Burg der „Giardino del Merlo“, ein im späten 19. Jh. von dem Adligen Giuseppe Manzi angelegter Garten. Mit seinem wilden Erscheinungsbild bietet er eine abwechslungsreiche Mischung aus exotischen Pflanzen, mediterraner Vegetation und alpinen Gewächsen, ergänzt durch Höhlen, kleine Brücken und kühne Passagen (Garten derzeit nicht zugänglich).
Sehenswert ist auch die Villa Orombelli, die im späten 18. Jh. von der Familie Manzi an der Via Regina erbaut und später an die Familie Orombelli weitergegeben wurde.